Weihnachten auf der Ponderosa
21. Dezember 2008
Es begab sich aber zu der Zeit, da es um die deutsche Jugend katastrophal bestellt war. Wir befinden uns mit in den finsteren 90er Jahren. Schwer hatte man’s als Heranwachsender. Man stelle sich nur vor: Es existierten weder Handy noch Handheld, es gab kein Simsen, Twittern, Chatten nicht. Noch nicht einmal konnte man Videos davon drehen, wie man seinen Mitschülern Gewalt antat, geschweige denn diese Dokumente medial verbreiten. weder Pods noch Superstars wurden gecastet. Man musste also schon einigermaßen kreativ sein, um sich irgendwie die Zeit zu vertreiben, ohne zu einer Gefahr für sich selbst und die Gesellschaft zu werden.
Drei wagemutige Jugendliche beschlossen also eins Tages, sich fortan für Cowboys zu halten und für den Bürgerfunk die Cartwrights von der Ponderosa-Ranch wiederauferstehen zu lassen. Zwar hatten sie die Originalfernsehserie nie gesehen, und da man mangels Wikipedia oder Youtube drauf hätte warten müssen, bis einer der in recht beschränkter Anzahl vorhandener Fernsehsender “Bonanza” wiederholte, entschloss man sich einfach, sich mit seinem Halbwissen über Little Joe, Hoss und ihren Dad (weitere Protagonisten wurden aus o.g. Gründen einfach ausgespart) zu begnügen und unter Hinzunahme einer Menge Klischees über den Wilden Westen die ersten beiden Folgen von “Radio Ponderosa” zu produzieren.
Sie gewannen den von der damaligen “Landesanstalt für Rundfunk” (mittlerweile “… für Medien”) ausgelobten Wettbewerb “Jugend macht Radio“. Damit hätte keiner gerechnet. In ihrem Größenwahn schickten die drei frisch gekürten Radiohelden sich an, zum Jahresausklang eine Weihnachtsfolge zu produzieren. Sie ging in einer gekürzten Fassung über den Äther, denn der für unsere Bürgerfunkbeiträge verantwortliche Ev. Kirchenkreis (sic!) hatte so etwas wie Anstoß an in der Folge auftretenden bis an die Zähne bewaffneten Weihnachtsmännern, amoklaufenden Rinderbauern sowie einige das Krippenspiel betreffenden saloppe Adjektiven genommen.
Heute ist zum Glück - der olle Brecht würde “heißa!” jauchzen - jeder Empfänger nahezu mühelos auch Sender, und der Distributionsapparat Internet ist natürlich auch Kommunilationsaparat. Kurzum: Wer meint, er müsse die Öffentlichkeit mit seinen Cowboy-Hörspielen beglücken, ist nicht mehr auf in ihrem zeitlichen und örtlichen Verbreitungsraum beschränkte traditionelle Bürgermedien angewiesen. Aber wem sage ich das.
Also gibt’s nun hier - endlich - den Director’s Cut der dritten Folge von “Radio Ponderosa”. Zugleich war es übrigens auch die letzte, warum auch immer.
Freue dich, oh Christenheit, denn die Cartwrights feiern Weihnachten! Die Tage der Hoppenstedts dürften nunmehr wohl endgültig gezählt sein.